Du gehst durch die kalte Wiener Luft, und plötzlich riecht es süßlich-rauchig nach geröstetem Holz und Kastanien. Kein Zweifel: Ein Maronibrater ist in der Nähe. Dieser Duft gehört zu Wien wie der Stephansdom und dahinter steckt eine überraschend lange Geschichte.
Woher sie kommen
Im Jahr 1509 siedelte Kaiser Maximilian I. rund dreihundert kriegsgefangene Familien aus Franken und Thüringen im Gottscheer Land an, im damaligen Herzogtum Krain (heute Slowenien). Das Land dort war karg, und so zogen die Menschen als Wanderhändler los, mit Edelkastanien, den Maroni, als einem ihrer begehrtesten Produkte. Schon Anfang des 17. Jahrhunderts erhielten die „Gottscheer“ Wanderhändler-Privilegien, und Mitte des 18. Jahrhunderts erlaubte ihnen sogar Kaiserin Maria Theresia per Dekret ganz offiziell, ihre Maroni in den Städten zu verkaufen.
Ein fester Teil des Wiener Stadtbilds
Mit transportablen, holzkohlebefeuerten Eisenöfen wurden die Maronibrater im 19. Jahrhundert zu populären Figuren des Wiener Straßenlebens – sie tauchten sogar in Literatur und Satireblättern auf, oft mit Kommentaren zu Politik und Gesellschaft. Um 1900 gab es rund 300 Maronistände in Wien. Das Leben der Braterinnen und Brater war dabei meist von Armut geprägt.
Was es heute gibt
Heute zählt das Marktamt rund 190 Unternehmen mit etwa 250 Ständen in den Wiener Einkaufsstraßen, die Zahl ist seit Jahren stabil. Von Oktober bis März haben sie Saison, und neben Maroni gibt es inzwischen auch Bratkartoffel, Kartoffelpuffer und Bratäpfel.
Und wie man sie genießt
Am schönsten schmecken Maroni genau so, wie es seit jeher üblich ist: frisch aus dem „Stanitzl“, der spitzen Papiertüte, während dir die Hitze durch die Handschuhe kribbelt. Ein Sackerl an einem kalten Wintertag, irgendwo zwischen Stephansplatz und Karlsplatz, das ist pures Wien.
Lass dir die ersten Maroni der Saison nicht entgehen und wärm dir ruhig auch die Hände daran …